Fixierung
Mit "Fixierung" ist meist die mechanische Fixierung gemeint – also das Festbinden oder Festhalten einer Person (an Armen, Beinen, manchmal am Rumpf), um sie an Bewegung zu hindern. Das kommt sowohl in der Psychiatrie/Notfallmedizin als auch bei Polizeieinsätzen vor, im Fall Corona war es wohl eine Kombination aus Handfesseln und körperlichem Fixieren.
Warum Fixierung an sich schon riskant ist
Fixierung ist medizinisch keine harmlose Maßnahme, sondern ein anerkannter Risikofaktor mit eigenem Namen: "Excited Delirium" / "Restraint-Related Death" wird in der Fachliteratur diskutiert, auch wenn der Begriff "Excited Delirium" umstritten ist. Die zentralen Gefahren:
1. Atemwegskompromittierung
- Gewicht auf Brustkorb oder Rücken, wie eben besprochen
- Fixierung der Arme nach hinten oder oben schränkt die Atemhilfsmuskulatur ein
- Ein Beißschutz/Spuckmaske (wie im Fall Corona erwähnt) kann zusätzlich die Atmung erschweren, besonders wenn Sekret oder Erbrochenes nicht abfließen kann
2. Kreislaufbelastung
- Körperliche Gegenwehr gegen die Fixierung kostet enorm viel Energie und Sauerstoff
- Adrenalinausschüttung durch Angst/Stress erhöht Herzfrequenz und Blutdruck zusätzlich
- Bei vorbestehenden Herzproblemen (auch unbekannten) kann das einen Kreislaufkollaps auslösen
3. Zeitfaktor
- Je länger die Fixierung dauert und je mehr Gegenwehr geleistet wird, desto höher das Risiko
- Die kritische Phase ist oft nicht der Moment der stärksten Gegenwehr, sondern kurz danach – wenn die Person plötzlich "ruhig" wird. Das kann fälschlich als Beruhigung gedeutet werden, ist aber manchmal ein Warnzeichen für einen beginnenden Kollaps
4. Psychische Ausnahmesituationen als Risikofaktor
- Menschen in akuter psychischer Krise (wie im Fall Corona) reagieren auf Fixierung oft mit verstärkter Panik und Gegenwehr, was die oben genannten Mechanismen verschärft
- Genau das macht solche Einsätze so heikel – die Maßnahme, die eigentlich beruhigen/schützen soll, kann die Gefährdung erhöhen
Deshalb in Leitlinien üblich:
- Kontinuierliches Monitoring von Bewusstsein, Atmung und Hautfarbe während der gesamten Fixierung
- Sofortige Beendigung bei Anzeichen von Atemnot oder Bewusstseinsveränderung
- Möglichst kurze Fixierungsdauer
- Keine Bauchlage bei fixierten Personen, wenn vermeidbar
Genau an diesen Punkten setzt im Fall Corona die Kritik des Anwalts an: Es habe fast zwei Minuten gedauert, bis mit der Reanimation begonnen wurde, weil der Schlüssel für die Handfesseln gesucht werden musste – ein Beispiel dafür, wie eine an sich schon riskante Situation durch verzögertes Handeln noch verschärft werden kann.
Schlagwörter
Festhalten Gewahrsam Gewalt