Bauchlage
Bauchlage bei einer Fixierung – vor allem in Kombination mit Fesselung und Druck auf den Rücken – kann zu einer sogenannten Fixierungs- bzw. positionsbedingten Asphyxie (positional/restraint asphyxia) führen. Das ist ein bekanntes und gut dokumentiertes Risiko in der Notfallmedizin und bei Polizeieinsätzen. Die wichtigsten Mechanismen:
Mechanische Behinderung der Atmung
- In Bauchlage muss das Zwerchfell beim Einatmen den Bauchinhalt und das Körpergewicht nach unten drücken. Liegt eine Person mit dem Gesicht nach unten und wird zusätzlich Druck auf den Rücken, die Schultern oder das Becken ausgeübt (z. B. durch das Körpergewicht der fixierenden Person oder durch Fesseln, die die Arme nach hinten ziehen), wird diese Bewegung stark eingeschränkt.
- Der Brustkorb kann sich nicht mehr richtig ausdehnen, das Atemzugvolumen sinkt.
Verstärkung durch weitere Faktoren
- Übergewicht/eigenes Körpergewicht auf dem Brustkorb verstärkt den Effekt zusätzlich.
- Handfesseln auf dem Rücken ziehen die Schultern nach hinten und verengen den Brustraum weiter.
- Erschöpfung, Adrenalinausschüttung und psychischer Stress (etwa bei einer akuten psychischen Krise) erhöhen den Sauerstoffbedarf, während gleichzeitig weniger Sauerstoff aufgenommen werden kann – das Herz muss stärker arbeiten, obwohl weniger Sauerstoff zur Verfügung steht.
- Manche Studien diskutieren auch eine Kompression von Blutgefäßen im Bauch- und Brustbereich, die den venösen Rückfluss zum Herzen behindern kann.
Das Tückische daran
Das Problem ist oft nicht sofort sichtbar. Die betroffene Person kann noch sprechen oder sich bewegen, während der Sauerstoffgehalt im Blut bereits kritisch sinkt – bis es zu einem plötzlichen Kreislaufstillstand kommt, wie es im Fall Pedro Corona beschrieben wird (blau angelaufen, dann Kollaps).
Deshalb gibt es in vielen Polizei- und Rettungsdienst-Leitlinien mittlerweile ausdrückliche Warnungen, Personen nach einer Fixierung so schnell wie möglich in eine stabile Seitenlage oder aufrechte Position zu bringen und nicht längere Zeit gefesselt in Bauchlage zu belassen – gerade bei Menschen, die zusätzlich unter Stress, Erregung oder körperlicher Gegenwehr stehen.